Wie Unternehmen von Teilzeit-Mitarbeitern profitieren

Wie Unternehmen von Teilzeit-Mitarbeitern profitieren

Warum sollten Unternehmer auf Teilzeit setzen? Und wie lässt sich dieses Modell trotz Schwierigkeiten gewinnbringend in die eigenen Abläufe integrieren? Ein kleiner Ratgeber.


 

 

Für viele Unternehmer ist das Modell Teilzeit noch immer ein Randthema. Oft werden lediglich temporäre oder einfache, schlechtbezahlte Stellen außerhalb des üblichen Vollzeitmodells geschaffen. Doch das könnte ein Fehler sein.

 

Arbeitnehmer der Generation Y verlangen nach Flexibilität

Gerade die Mitarbeiter, die Unternehmen fehlen: die Kreativen, die Entwickler, die Macher sind rar gesät und verfolgen ganz andere Ziele als sie früher mit einem eher sicheren Einkommen und damit einhergehenden Versicherungen abgedeckt werden könnten. Mit einem Vollzeitjob sehen die jungen Arbeitnehmer zwischen 25 und 40 Jahren ihre Möglichkeiten beschränkt: es bleibt schlicht keine Zeit für das Verfolgen eigener Ziele. Sei das die Rekreation oder das Umsetzen von Idealen, beispielsweise in sozialen Projekten oder eigenen Gründungen.

 

Das Gerücht, lediglich Mütter oder Arbeitnehmer mit pflegebedürftigen Eltern würden sich gegen die Vollzeitstelle entscheiden, hält sich dennoch vehement. Die Realität jedoch sieht anders aus: ganzen 80% der zur „Generation Y“ gehörig zählenden Arbeitnehmer ist der Wunsch nach einem ausgeglichenen Verhältnis von Arbeit und Privatleben sehr wichtig.

 

GRAFIK mm 8/2012 S. 94 Karriere / Wer will noch Chef werden? / Gang runterschalten / Wie beurteilen Sie bei der Generation Y die folgenden Einstellungen? (Angaben in Prozent) - Der Wunsch nach echter Work-Life-Balance

GRAFIK mm 8/2012 S. 94 Karriere / Wer will noch Chef werden? / Gang runterschalten / Wie hat sich Ihre Haltung zu Beruf und Karriere in den vergangenen fünf Jahren verändert? (Angaben in Prozent) - Meine Bereitschaft, Familie und Privatleben dem Beruf unterzuordnen

 

Warum gerade Teilzeit-Mitarbeiter am Ende mehr leisten könnten

Für viele Unternehmer ist jedoch stets vor allem eines ganz klar: „der Mitarbeiter, der nur 50% der möglichen Zeit bei uns im Büro verbringt, kann weniger leisten. Sie oder er kann nicht an allen Besprechungen teilnehmen, ist nicht jederzeit ansprechbar und hat auch ingesamt weniger Zeit um produktiv sein zu können.“

 

Auch hier sieht die Realität anders aus. Die Unternehmensberatung Bain fand heraus, dass vor allem Manager bis zu einem ganzen Tag in der Arbeitswoche nur mit Emails und bis zu zwei Tage in Meetings verbringen – allesamt Tätigkeiten, die als nicht produktiv bewertet werden müssen. Wie oft sitzen Mitarbeiter in Meetings, wo sie nichts beitragen können und wie oft kommt am Ende nichts dabei heraus?

 

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Die tägliche Flut an Mails kostet Mitarbeitern wichtige Zeit zur Konzentration. Bis zu 16 Minuten braucht ein durchschnittlicher Bürorbeiter nach dem Bearbeiten der Inbox, um sich wieder einer wichtigen Aufgabe voll und ganz widmen zu können.

 

Verschiedene Studien überbieten sich gegenseitig mit der finanziellen Benennung des Schadens, den Ablenkung im Büro in Unternehmen anrichtet. Eines jedoch ist sicher: sie kostet zu viel um es sich leisten zu können, gar nichts zu tun.

 

Ein Ansatz, der in den USA immer mehr Zuspruch findet ist in der Rückkehr der Heimarbeit – oder dem homeoffice – zu finden. Mitarbeiter können praktisch ins Büro kommen, wann immer sie wollen und ansonsten von zuhause arbeiten, im Café oder im coworking space.

 

Ein Problem dabei: Mitarbeiter können den Anschluß verlieren. Andere wiederrum verlieren sich in der Arbeit. Das komplette Fehlen jeglicher Trennung zwischen  Büro und dem eigenen Uuhause führt zu Spannungen im sozialen Umfeld und kann letztlich auch zu Überarbeitung führen, da einige sich letztlich immer im Büro wähnen.

 

Unternehmen brauchen kühle Köpfe

Für Unternehmen sollte das nicht von Interesse sein. Ein Mitarbeiter, der sich überarbeitet verliert an Arbeitseffizienz und Konzentrationsfähigkeit. Fähigkeiten, die Unternehmen auf dem modernen Markt dringend benötigen. Nie ging es mehr um Schnelligkeit, Innovation und Kreativität: in einer derart gesättigten Wirtschaft mit hoher Konkurrenzdichte kann es eben die eine zündende Idee sein, die zum Erfolg führt. Das hastige, schnelle Abarbeiten steht dem vielmehr entgegen.

 

Es gibt Arbeitgeber, die erlauben ihren Mitarbeitern gänzlich freie Pausen. Das kalifornische Outdoor-Equipment Unternehmen Patagonia beispielsweise erlaubt seinen Mitarbeitern während ihrer Pausen im Pazifik zu surfen. Und dabei macht das Unternehmen hunderte Million US-Dolloar Umsatz, obwohl sie in ihrer Werbung Kunden dazu aufrufen, ihre Produkte nicht zu kaufen.

 

Das mag ein plakativer Fall sein, doch die Wahrheit ist: es mag viele gut Ausgebildte Leute auf dem Arbeitsmarkt geben – aber nur das Unternehmen mit Menschen, die sich vom Rest absetzen können und ihren Geist gern für ihren Arbeitgeber einsetzen, werden letztlich bestehen können.

 

Dabei sind ausgerechnet die Menschen, die weniger Wert auf Einkommen, Status und am Ende diejenigen, die den Unterschied machen können. In vielen Studien ist belegt, dass sich der Wunsch nach Flexibilität jedoch nicht mit einem Ausbleiben von dem Wunsch, etwas zu bewegen, gleichsetzen lassen kann.

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Es sieht also vielmehr so aus: der oder die Mitarbeiterin der Zukunft wünscht sich mehr Zeit für sich und für eigene Ziele. Das das Unternehmen braucht paradoxerweise genau diese Menschen. Und gerade trotz der schwindenen Anwesenheit im Büro sind Mitarbeiter am Ende produktiver, kreativer und engagierter als viele der Vollzeitangestellten.

 

Weitere Vorteile fand die Psychologin Dr. Christiane Erbel 2006 in einer Befragung in Unternehmen heraus, bei denen Teilzeitarbeit schon im großen Maßstab angewendet wird. Das Ergebnis: weniger Ausfälle durch Krankrheit und niedrigere Mitarbeiterfluktuation.

 

 

Integration in bestehende Arbeitsabläufe ist die große Herausforderung

Die große Herausforderung ist es nun, gut ausgebildeten Arbeitnehmern auch hochwertige Arbeitsstellen bieten zu können. Mitnichten werden sich die kreativen Teilzeitmitarbeiter mit einfachen Tätigkeiten ohne Verantwortung abspeisen lassen.

 

GRAFIK mm 8/2012 S. 94 Karriere / Wer will noch Chef werden? / Gang runterschalten / Wie beurteilen Sie bei der Generation Y die folgenden Einstellungen? (Angaben in Prozent) - Die Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen

 

Gefragt sind Stellen mit Aussicht auf Karriere und der Möglichkeit, die in der Zeit außerhalb gesammelte Inspiration und Kraft auch nutzbringend einsetzen zu können. Teamleiter stehen also vor der Herausforderung, Abläufe so zu gestalten dass Mitarbeiter, die nur 2-4 Tage im Büro sind oder von zuhause aus arbeiten, die Gelegenheit bekommen, ihre Arbeitsergebisse zu integrieren.

 

Ganz konkret: Wichtig ist die Zeitplanung für das Schaffen von Zeiträumen, in denen gemeinsam gearbeitet werden kann. Dazu kommt der Ausbau von Kommunikation und dezentralen Strukturen, die simultanes Arbeiten erleichtern. Als ungemein hilfreich erweisen sich dabei moderne Kommunikationstools. Hier in Kürze vorgestellt:

 

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1. slack

Die beliebte Unternehmensapp slack hilft organisiert die Kommunikation unter Mitarbeitern praktisch automatisch. Moderne Hilfsmittel wie hashtags helfen bei der Semantisierung von Subthemen und Organisation von Personen lässt sich sehr schnell in Teams kanalisieren. Das tool lässt sich kostenlos testen.

https://slack.com

 

trello-beispiel

2. trello

Trello wird von eher kleineren Teams genutzt, um Aufgaben im praktischen Spalten-Layout zu organisieren und Diskussionen auf einer übersichtlichen grafischen Oberfläche im Browser oder per App führen zu können. Ein integrieter Kalender hilft dabei, Mitarbeiter in Teilzeit zu koordnieren. Das Benutzen ist kostenlos – upgrades für einige Zusatzfunktionen werden aberechnet.

http://www.trello.com

 

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3. Google

Google hat bereits alles an Bord: eine komplette Office-Suite die dabei hilft an konkreten Dokumenten simultan zu arbeiten. Den gemeinsamen Speicher in der Cloud. Den Kalender für die Pflegevon gemeinsamen Treffen und Anwesenheit im Büro und den chat-client. Der große Vorteil: nahezu jede/r verfügt bereits über einen Account. Nachteil ist die Datensammlung durch das Unternehmen. Lässt sich durch Bezahlung jedoch (weitesgehend) abschalten.

https://docs.google.com

 

Jetzt liegt es an Ihnen: schaffen Sie hochwertige Teilzeit-Jobs. Ihre neuen Mitarbeiter werden Ihnen dankbar sein für die Chance, die Sie ihnen geschafft haben und sich mit all ihrer Energie und Kreativität für Ihr Unternehmen einsetzen.

Richard
Hat jahrelang in der Werbeindustrie Vollzeit gearbeitet. Bis er nochmal studieren ging und nebenher arbeitete. Seitdem hat er mit Vollzeit nichts mehr am Hut und ist glücklich über die Freiheit. Er gründete nineto1 um Teilzeit-Arbeit endlich zum großen Durchbruch zu verhelfen.

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